Alles Führung oder was?

 

Da meint man, es sei schon alles über Führung geschrieben worden und dennoch hat sich kaum ein Managementbereich u.a. durch Wertewandel, Covid-19 und Digitalisierung so massiv verändert wie Führung.

„Gute Führung ist vergleichbar mit einer guten Reinigungskraft – es fällt besonders dann auf, wenn sie fehlt“. Und zwar heute wie damals! Es beginnt damit, dass mich Kunden, Studenten, Workshopteilnehmer etc. immer wieder fragen, was denn der Unterschied zwischen Leadership, Management und Führung sei. Nun, es gibt natürlich Unterschiede zwischen diesen Rollen, auf die ich hier aber nicht eingehen will. Viel wichtiger an der Stelle ist es zu sagen, dass eine Führungskraft in der Lage sein muss, alle diese drei Rollen sehr variabel auszufüllen. Und zwar je nach Situation!

Die gute Nachricht

Eine alte Führungsdenke fördert noch immer eine Kultur der Mittelmäßigkeit. „Der größte Raum für eine Leistungssteigerung liegt in den Schwächen eines Menschen“ war vor einigen Jahren das Ergebnis einer Gallup-Studie/Umfrage bei ca. 80.000 Führungskräften im deutschsprachigen Raum.

Es gibt aber eine gute Nachricht: Vieles von dem, was wir über Führung bisher lehren und lernen konnten ist nach wie vor richtig und einsetzbar. Es ist z.B. in Anlehnung an Prof. F. Malik richtig, Führung als Beruf anzusehen, einen Beruf mit bestimmten Aufgaben (die es zu erfüllen gilt), Werkzeugen (Instrumente, mit denen man diese Aufgaben bewältigt) und Prinzipien (Haltungen und ein Wertegerüst für Krisen). Dabei kann Führung tatsächlich ein Fulltimejob sein und geht nicht so nebenbei – jeder Mitarbeiter ist anders und muss individuell geführt werden. Mit einem langjährigen routinierten Mitarbeiter wird man andere Zielvereinbarungsgespräche führen, als mit einem jungen Mitarbeiter frisch von der Uni, der u.a. seine Stärken noch wenig kennt.

„No, you weren`t downloaded honey – you were born!”

Es hat sich nicht nur unsere Arbeitswelt u.a. durch Komplexität der Geschäfte, exponentielle Wissensverdoppelung oder neue organisationale Ansätze wie SCRUM oder Holocracy verändert. Wir haben zunehmend Menschen der Generation Y und Z zu führen, die mitunter so ganz anders ticken, als z.B. wir aus der Generation Babyboomer oder X. Diese jüngeren Generationen sind stark digitalisiert und werteorientiert, suchen früh den Sinn im Leben/die Balance zwischen Leistung im Beruf und den 3 FFF (Freunde/Feste/Familie), und sie fühlen sich mehr dem eigenen ICH verpflichtet. Für diese Menschen ist die obige Herangehensweise der Führung zwar noch immer notwendig, aber nicht mehr hinreichend.

Es braucht zusätzliche Elemente, wie wir sie z.B. aus der positiven Psychologie nach M. Seligmann kennen, in dem wir Gutes erkennen und dieses stärken. Umgelegt auf Führung bedeutet dies, positive Emotionen zu fördern, Engagement mit punktgenauen Aufgaben zu stärken, Beziehungen und Netzwerke sich entwickeln lassen, den Zweck der Unternehmung/der Abteilung darzustellen und Erfolg möglich zu machen und den Mitarbeitern diesen Erfolg auch zu lassen. Das hat nachweislich positive Effekte auf Umsatz und Marktanteile sowie auf Produktivität, sinkende Fluktuation, reduzierte Krankenstände und Innovationsfähigkeit eines Unternehmens.

Danke Virus!

Ok, neue Generationen erfordern neues Führungsdenken und es bringt was. Als ob das nicht schon genug Herausforderung wäre, zerbröselt seit kurzem ein kleines Virus unser ganzes Wirtschaftssystem mit großer Auswirkung auf Führung. Ein Lockdown mit Folgen und Schmerzen für manche Führungskräfte und dem vermeintlich großen Schreckgespenst „Homeoffice“. Abgesehen von rechtlich ungeklärten Fragen, standen viele Führungskräfte vor der Frage: „Wie führe ich meine Leute im Homeoffice?“. Der alte Ansatz „Anwesenheit => Arbeit => Leistung“ und die damit verbundene Kontrollmöglichkeit war außer Kraft gesetzt. Vertrauen in die Mitarbeiter war angesagt: Vertrauen in deren Selbständigkeit, Vertrauen in deren Leistungswillen, Vertrauen in deren Selbstorganisation, Vertrauen in deren Resultatorientierung.

Als Führungskraft wurde man fast gezwungen, alte Glaubenssätze über Bord zu werfen und Neues zuzulassen – für viele eine revolutionäre Veränderung, die nicht selten mit positiven Aaha- Momenten geendet hat. Viele Führungskräfte berichteten mir von ihrem Wandel und wie sich dadurch die Beziehung zu ihren Mitarbeitern klar verbessert hat. Mitarbeiter berichteten auch, dass sich Respekt und Wertschätzung gegenüber Kollegen stark verbessert hat – nicht zuletzt erkennbar an deutlich gestiegener Pünktlichkeit und Effizienz von Online-Meetings.
Dem Virus sei Dank, es wird unsere Art des (Zusammen-) Arbeitens und des Führens in Form von neuen Arbeitszeitmodellen, mehr Homeoffice, mehr Digitalisierung und einer professionelleren Einstellung zu Arbeit weiter nachhaltig verändern.

Wir brauchen die Besten

„Führung ist kein Privileg, sondern eine Dienstleistung“ ist ein Zitat von Bodo Jansen, dem CEO von Upstalsboom Hotels – einer Führungskraft, die sehr selbstkritisch und öffentlich mit ihrer Metamorphose zu einer Top-Führungskraft umgeht.
Anders ausgedrückt heißt es, dass wir die Besten aussuchen müssen, um Top-Führungsarbeit zu gewährleisten, auf die Mitarbeiter auch Anspruch haben. Wir brauchen Menschen mit Resilienzfähigkeit und positiver Grundeinstellung zu anderen Menschen. Menschen die dem Führungsprinzip „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ mit ganzem Herzen folgen.

In vielen Fällen geschieht das aber nicht und Beförderungen passieren noch immer auf Grund von Betriebszugehörigkeit oder Top-Leistungen in dem bisherigen Aufgabengebiet. Das ist nicht immer sinnvoll, denn metaphorisch betrachtet, macht man so vielleicht den besten Verkäufer zum Filialleiter. Nicht selten mit dem Ergebnis, dass man einen Top-Verkäufer weniger und einen schlechten Filialleiter mehr hat!

 

"„Es ist meine Berufung, Führungskräfte und Organisationen beim Erzielen von Spitzenleistungen zu unterstützen – praxisbezogen, umsetzungsorientiert und verantwortungsvoll. Denn erst durch Fokussierung auf Stärken, auf Balance und auf das Gelingende im Leben kann Führung und Leistung zum echten Herzenswunsch werden. „Personal und organisational positivity“ sind dafür inspirierende Faktoren meiner zahlreichen Methoden und Instrumente, um richtige Impulse zu setzen und gewünschte Veränderungen zu ermöglichen. Mein Denken und Handeln orientieren sich dabei an Ansätzen aus der Systemtheorie sowie aus der positiven Psychologie und ist inspiriert von großen Denkern wie Viktor Frankl, Fredmund Malik und Peter Drucker. Ich gehe diesen Weg mit meinen Kunden als Managementberater und systemischer Organisationsentwickler und habe darin mehr als 20 Jahre Branchen übergreifende Erfahrung. Ich war viele Jahre für das Malik Management Zentrum St. Gallen tätig mit den Schwerpunkten Management von Systemen/Komplexität, Strategie, effektive Führung und Organisationsentwicklung.“"

DI Siegfried Neubauer
Geschäftsführer acm quadrat

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